
HS-Codes für Textilien: Kapitel 50–63 im Überblick
Textilien fallen im Harmonisierten System in die Kapitel 50 bis 63. Die häufigsten Bekleidungs-Headings sind 6109 (T-Shirts, gestrickt), 6205 (Hemden, gewebt) und 6309 (Haushaltswäsche, gebrauchte Textilien). Wer Waren nach Deutschland importiert oder exportiert, braucht jedoch mehr als die 6-stellige HS-Nummer: Die EU verlangt die 8-stellige Kombinierte Nomenklatur (KN/CN) und für Zollmaßnahmen den 10-stelligen TARIC-Code.
Schnelle Orientierung für den Einstieg:
- Kapitel 50–55: Textile Rohstoffe und Fasern (Seide, Wolle, Baumwolle, Chemiefasern)
- Kapitel 56–60: Vliesstoffe, Teppiche, Spitzen, Gewirke
- Kapitel 61: Bekleidung, gestrickt oder gehäkelt
- Kapitel 62: Bekleidung, gewebt oder nicht gestrickt
- Kapitel 63: Andere konfektionierte Textilwaren, Haushaltswäsche, Altwaren
Nächster Schritt: TARIC-Datenbank aufrufen, den passenden CN-Code prüfen und bei Unsicherheit eine verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) beantragen.
Profi-Tipp: Notieren Sie schon bei der Produktdokumentation Materialzusammensetzung, Herstellungsart (gestrickt oder gewebt) und Verwendungszweck. Das beschleunigt sowohl die TARIC-Suche als auch einen späteren vZTA-Antrag erheblich.

Wichtige Erkenntnisse
Textilien korrekt einzureihen erfordert die vollständige TARIC-Nummer, nicht nur den 6-stelligen HS-Code, weil erst auf TARIC-Ebene Zollsätze, Maßnahmen und Präferenzen sichtbar werden.
| Thema | Details |
|---|---|
| Relevante HS-Kapitel | Textilien fallen in Kapitel 50–63; Bekleidung gestrickt in Kap. 61, gewebt in Kap. 62. |
| Nummernhierarchie | HS (6-stellig) wird in der EU zu KN/CN (8-stellig), TARIC (10-stellig) und dt. Warennummer (11-stellig) erweitert. |
| TARIC-Pflicht | Zollsätze und Maßnahmen sind nur auf TARIC-Ebene vollständig sichtbar; TARIC-Abfrage vor jedem Import. |
| vZTA bei Unsicherheit | Bei komplexen Produkten oder hohem Warenwert liefert die vZTA/EBTI rechtlich verbindliche Einreihung. |
| Automatisierung spart Zeit | Plattformen wie Paket International berechnen Abgaben und erstellen Zolldokumente automatisch aus dem CN-Code. |

Inhaltsverzeichnis
- Wie das Harmonisierte System aufgebaut ist und welche Kapitel Textilien umfassen
- Welche HS-Codes für Textilien und Bekleidung besonders häufig vorkommen
- Warum die 6-stellige HS-Angabe für Deutschland oft nicht ausreicht
- Schritt für Schritt: So finden Sie den richtigen Code für Ihr Textilprodukt
- Welche Abgaben und Dokumente beim Textilimport nach Deutschland anfallen
- Wie automatisierte Versandplattformen die Einreihung und Verzollung erleichtern
- Häufige Fehler bei der Einreihung von Textilien und wie man sie vermeidet
- Verbindliche Zolltarifauskunft: Wann sie sinnvoll ist und wie der Antrag funktioniert
- Quellen
Wie das Harmonisierte System aufgebaut ist und welche Kapitel Textilien umfassen
Das Harmonisierte System (HS) ist ein internationaler Standard der Weltzollorganisation (WCO) mit einer 6-stelligen Basisnummer. Weltweit nutzen mehr als 200 Länder dieses Schema für Zollanmeldungen, Außenhandelsstatistiken und Handelsverträge.
Die Struktur folgt drei Ebenen:
- Kapitel (2 Stellen): Warengruppe, z. B. Kapitel 61 für gestrickte Bekleidung
- Position/Heading (4 Stellen): Konkrete Warenart, z. B. 6109 für T-Shirts
- Unterposition (6 Stellen): Weitere Differenzierung nach Material oder Ausführung
Kapitel 50–63 des HS decken den gesamten Textilbereich ab: von Rohfasern (Seide, Wolle, Baumwolle, synthetische Fasern) über Garne und Gewebe bis hin zu fertiger Bekleidung und Haushaltswäsche. Diese 14 Kapitel bilden die Grundlage für jede Zolltarifnummer im Textilbereich.
Für den EU- und Deutschland-Kontext reicht die 6-stellige HS-Ebene allein nicht aus. Die EU erweitert das System auf 8 Stellen (Kombinierte Nomenklatur, KN/CN) und auf 10 Stellen im TARIC. Deutschland ergänzt in bestimmten Fällen eine weitere Stelle zur nationalen Verwaltung, sodass Zollanmeldungen hier mit einer bis zu 11-stelligen Warennummer arbeiten.
Welche HS-Codes für Textilien und Bekleidung besonders häufig vorkommen
Die Unterscheidung zwischen gestrickt/gehäkelt (Kapitel 61) und gewebt/nicht gestrickt (Kapitel 62) ist das wichtigste Einreihungsmerkmal bei Bekleidung. Ein T-Shirt aus Strickware gehört in Kapitel 61, ein gewebtes Hemd in Kapitel 62. Daneben entscheiden Material, Funktion und Zustand (neu oder gebraucht) über die genaue Position.
Häufige Headings im Überblick:
- 6109 – T-Shirts, Unterhemden und ähnliche Waren, gestrickt (HS-Code T-Shirts)
- 6110 – Pullover, Sweatshirts, Westen, gestrickt
- 6203 – Anzüge, Jacken, Hosen für Männer, gewebt
- 6204 – Kostüme, Jacken, Röcke für Frauen, gewebt
- 6205 – Hemden für Männer, gewebt
- 6206 – Blusen für Frauen, gewebt
- 6309 – Gebrauchte Kleidung und andere gebrauchte Textilwaren
Die Kapitelübersicht zeigt, wo die HS-Codierung für Stoffe und fertige Waren ansetzt:
Welche Merkmale die Einreihung konkret entscheiden: Faserart und -anteil, Herstellungsverfahren (gestrickt oder gewebt), Funktion des Artikels und ob es sich um neue oder gebrauchte Ware handelt. Bei Mischgeweben gilt in der Regel der mengenmäßig überwiegende Faseranteil als Einreihungskriterium.
Warum die 6-stellige HS-Angabe für Deutschland oft nicht ausreicht
Die 6-stellige HS-Nummer ist der internationale Ausgangspunkt, aber für Zollanmeldungen in der EU und Deutschland braucht man mehr. Die Nummernhierarchie lautet:
- HS (6-stellig): Internationaler Standard, Basis für alle weiteren Ebenen
- KN/CN (8-stellig): Kombinierte Nomenklatur der EU, verbindlich für alle EU-Importe und -Exporte
- TARIC (10-stellig): EU-Zolldatenbank mit handelspolitischen Maßnahmen, Zollsätzen und Präferenzen
- Deutsche Warennummer (bis 11-stellig): Nationale Ergänzung für Zollanmeldungen in Deutschland
Zollsätze, Antidumping-Maßnahmen, Einfuhrkontingente und Präferenzregelungen sind ausschließlich auf TARIC-Ebene sichtbar. Wer nur mit der 6-stelligen HS-Nummer arbeitet, sieht diese Maßnahmen nicht.
Die TARIC-Datenbank der EU-Kommission ist die zentrale Quelle für aktuelle Zollsätze und handelspolitische Maßnahmen zu einzelnen CN/TARIC-Codes. Für den Code 6109 10 00 10 etwa zeigt die TARIC-Abfrage direkt, welche Abgaben und Maßnahmen für den Import nach Deutschland gelten.
Für die Zollanmeldung in Deutschland ist daher immer die vollständige TARIC- oder Warennummer zu verwenden, nicht die verkürzte HS-Angabe.
Schritt für Schritt: So finden Sie den richtigen Code für Ihr Textilprodukt
- Produktmerkmale erfassen: Materialzusammensetzung (z. B. 100 % Baumwolle oder Mischgewebe), Herstellungsart (gestrickt oder gewebt), Funktion (Oberbekleidung, Unterwäsche, Haushaltswäsche), Zustand (neu oder gebraucht).
- HS-Kapitel eingrenzen: Handelt es sich um Rohfasern oder Garne? Dann Kapitel 50–55. Fertige Bekleidung? Kapitel 61 oder 62, je nach Herstellungsart.
- Gestrickt oder gewebt prüfen: Kapitel 61 gilt für gestrickte und gehäkelte Bekleidung, Kapitel 62 für gewebte und nicht gestrickte Artikel. Diese Unterscheidung ist bei Bekleidung das erste Filterkriterium.
- CN/TARIC-Suche durchführen: TARIC-Datenbank der EU-Kommission aufrufen, Suchbegriffe wie „gestrickt“, „Baumwolle“ oder „Haushaltswäsche“ verwenden. Die Suche liefert passende CN-Codes mit Zollsätzen und Maßnahmen.
- Ergebnis dokumentieren: CN-Code, Zollsatz, relevante Maßnahmen und Suchprotokoll für die Zollanmeldung festhalten.
Welche Unterlagen die Einreihung absichern: Stoffmuster oder Produktfotos, Materialzertifikate des Herstellers, technische Beschreibungen und Herstellungsnachweise. Je vollständiger diese Unterlagen sind, desto schneller verläuft die Zollabfertigung.
Profi-Tipp: Bei der TARIC-Suche liefern spezifische Begriffe bessere Treffer als allgemeine. „Gestrickt Baumwolle Oberbekleidung“ führt schneller zum richtigen Heading als nur „T-Shirt“.
Wann ein Experte oder eine automatisierte Plattform sinnvoller ist als die manuelle Suche: bei Mischgeweben mit mehreren Faseranteilen, bei technischen Textilien mit Sonderfunktionen oder wenn regelmäßig große Warenmengen mit vielen verschiedenen Artikeln deklariert werden müssen.
Welche Abgaben und Dokumente beim Textilimport nach Deutschland anfallen
Zollsätze für Textilien variieren je nach TARIC-Position erheblich. Deshalb ist die präzise Einreihung keine Formalität, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Importkosten. Wer mit einer falschen oder zu allgemeinen Nummer deklariert, riskiert Nachforderungen oder Verzögerungen.
Typische Abgabenarten:
- Zollsatz: Richtet sich nach dem TARIC-Code; bei Textilien aus Drittländern ohne Präferenzabkommen können Sätze im einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich liegen.
- Einfuhrumsatzsteuer (EUSt): In Deutschland aktuell 19 % auf den Zollwert zuzüglich Zoll und Transportkosten; für bestimmte Waren gilt der ermäßigte Satz von 7 %.
- Antidumping- oder Ausgleichszölle: Für bestimmte Textilimporte aus einzelnen Ländern möglich; in der TARIC-Datenbank sichtbar.
Pflichtdokumente für den Textilimport:
- Handelsrechnung mit Warenbezeichnung, Menge, Wert und Ursprungsland
- Frachtbrief oder Konnossement
- Ursprungsnachweis (z. B. EUR.1 oder Ursprungserklärung) für Präferenzzölle
- Packliste
- Gegebenenfalls Konformitätsnachweise oder Produktzertifikate
Spezielle handelspolitische Maßnahmen wie Antidumping-Zölle oder Einfuhrkontingente sind ausschließlich über die TARIC-Datenbank zu prüfen. Wer diese Maßnahmen übersieht, kann trotz korrekter CN-Nummer mit unerwarteten Zusatzkosten konfrontiert werden. Die Exportdokumente lassen sich mit einer automatisierten Plattform direkt aus den Einreihungsergebnissen generieren.
Wie automatisierte Versandplattformen die Einreihung und Verzollung erleichtern
Für Händler, die regelmäßig Textilien importieren oder exportieren, ist die manuelle TARIC-Recherche pro Sendung aufwendig. Automatisierte Versandplattformen wie Paket International übernehmen mehrere dieser Schritte direkt im Versandprozess.
Was die Plattform konkret abdeckt:
- Automatische Vorschläge für CN/TARIC-Codes auf Basis von Produktbeschreibungen
- Berechnung von Einfuhrabgaben und Landed Costs in Echtzeit
- Erstellung von Versandlabels und Zolldokumenten aus einer Oberfläche
- Automatische Zollabfertigung ohne manuelle Eingriffe bei jeder Sendung
- Anbindung an ERP-Systeme und Online-Shops über API oder Plugin
Fehlklassifikationen bei Textilien entstehen häufig durch unvollständige Produktdaten. Eine Plattform, die Materialangaben, Herstellungsart und Verwendungszweck strukturiert erfasst und direkt in die Zollanmeldung überträgt, reduziert dieses Risiko erheblich und spart gleichzeitig Zeit bei jeder Sendung.
Der praktische Vorteil für Händler: Statt für jede Sendung manuell TARIC-Codes zu recherchieren und Dokumente zu erstellen, läuft der gesamte Prozess automatisiert ab. Das ist besonders relevant für Online-Shops mit breitem Textilsortiment, bei dem sich Materialzusammensetzungen und Produktkategorien häufig ändern.
Häufige Fehler bei der Einreihung von Textilien und wie man sie vermeidet
Die Einreihung von Textilwaren ist fehleranfälliger als bei vielen anderen Warengruppen, weil mehrere Merkmale gleichzeitig entscheiden.
Typische Fehler:
- Gestrickt und gewebt verwechseln: Der häufigste Fehler überhaupt. Ein Sweatshirt aus Strickware gehört in Kapitel 61, nicht in Kapitel 62.
- Materialangaben unvollständig: Bei Mischgeweben muss der genaue Faseranteil bekannt sein. „Polyester-Baumwoll-Mischung“ reicht nicht; der prozentuale Anteil entscheidet über die Unterposition.
- Veredelungen ignorieren: Imprägnierungen, Beschichtungen oder funktionale Ausrüstungen können eine andere Heading auslösen, etwa bei wasserabweisenden Jacken.
- Sets und Komplettartikel falsch einreihen: Ein Set aus Hemd und Hose wird nach dem Hauptbestandteil eingereiht, nicht nach dem günstigsten Code.
- Technische Textilien unterschätzen: Artikel mit technischer Funktion (z. B. medizinische Kompressionswäsche) fallen oft nicht in Kapitel 61/62, sondern in andere Kapitel.
Red Flag: Wenn ein Textilprodukt eine spezielle Funktion hat, aus mehr als zwei Fasern besteht oder einer besonderen Veredelung unterzogen wurde, sollte die Einreihung nicht ohne Expertenprüfung oder vZTA erfolgen.
Zur Prävention empfiehlt sich ein standardisiertes Produktdatenblatt mit Feldern für Materialanteile, Herstellungsart, Funktion und Veredelung. Wer diese Daten bereits bei der Produktanlage erfasst, vermeidet spätere Nachfragen der Zollbehörde und verkürzt die Bearbeitungszeit bei Zollanmeldungen.
Verbindliche Zolltarifauskunft: Wann sie sinnvoll ist und wie der Antrag funktioniert
Eine verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) oder auf EU-Ebene eine EBTI (Binding Tariff Information) liefert rechtlich verbindliche Klarheit zur Einreihung einer Ware. Die EU-EBTI-Datenbank zeigt bereits erteilte Auskünfte und kann als Orientierung dienen.
Wann eine vZTA sinnvoll ist:
- Bei hohem Warenwert oder großen Importmengen, bei denen ein falscher Code erhebliche Mehrkosten verursacht
- Bei technischen Textilien oder Mischprodukten mit unklarer Einreihung
- Wenn die Zollbehörde bei früheren Sendungen Rückfragen gestellt hat
- Bei neuen Produktkategorien, für die noch keine Erfahrungswerte vorliegen
Schritte zur Beantragung:
- Antrag beim zuständigen Hauptzollamt in Deutschland stellen (für nationale vZTA) oder über das EU-EBTI-Portal für eine EU-weit gültige Auskunft.
- Detaillierte Produktbeschreibung einreichen: Materialzusammensetzung, Herstellungsverfahren, Fotos, technische Datenblätter, Muster falls möglich.
- Bearbeitungszeit einplanen: In der Regel mehrere Wochen bis zu einigen Monaten.
- Erteilte vZTA für alle Zollanmeldungen der betreffenden Ware verwenden; sie ist für die Zollbehörde verbindlich.
Die vZTA gilt EU-weit für drei Jahre. Wer sie einmal beantragt hat, kann sie für alle Sendungen der gleichen Ware nutzen und ist damit rechtlich abgesichert.
Quellen
Für die Recherche nach der richtigen Zolltarifnummer für Textilien stehen mehrere offizielle und praktische Ressourcen zur Verfügung:
Für Händler, die Einreihung und Zollabwicklung automatisieren wollen, bietet Paket International eine vollständige Zollabwicklung mit automatischer Abgabenberechnung und Dokumentenerstellung.