Paket nach Tunesien versenden: Zoll, TVA und Laufzeit
Von Deutschland nach Tunis, Sfax oder Sousse: Versand und Einfuhr richtig vorbereiten
Tunesien liegt nur wenige hundert Kilometer südlich von Europa und gehört zu den wirtschaftlich eng mit der Europäischen Union verbundenen Märkten Nordafrikas. Für deutsche Unternehmen ist Tunesien besonders für Maschinen, Ersatzteile, Elektrotechnik, Automotive-Komponenten, Automatisierung, Chemie, Textiltechnik, Verpackungsmaschinen und industrielle Ausrüstung interessant. Beim Versand von Deutschland nach Tunesien handelt es sich um einen Drittlandsversand. Warensendungen benötigen deshalb vollständige Zollinformationen.
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Bei Tunesien kann der Warenursprung wichtiger sein als der normale Zolltarif
Tunesien erhebt bei Drittlandswaren teilweise erhebliche Einfuhrzölle.
Für qualifizierte Industrieerzeugnisse europäischen Ursprungs sieht das Abkommen mit der EU dagegen grundsätzlich Zollfreiheit vor.
Warenursprung und Präferenznachweis sollten deshalb bereits vor der Abholung geklärt werden.
19 % TVA richtig kalkulieren
Der aktuell im tunesischen Zolltarif ausgewiesene Standardsatz beträgt 19 Prozent. Je nach Produkt können andere steuerliche Regelungen oder zusätzliche Abgaben gelten.
EU-Ursprungsware kann zollfrei sein
Für Industrieprodukte mit nachgewiesenem EU-Präferenzursprung sieht das EU-Tunesien-Abkommen grundsätzlich eine Befreiung vom Einfuhrzoll vor. Für Agrar-, Lebensmittel- und Fischereiwaren gelten dagegen besondere beziehungsweise eingeschränkte Regelungen.
SINDA und Tunisie TradeNet digital nutzen
Zollanmeldungen und weitere Außenhandelsdokumente werden in Tunesien weitgehend elektronisch verarbeitet. SINDA und Tunisie TradeNet verbinden Zoll, Transporteure, Banken, Zollagenten und weitere Beteiligte.
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Wichtige Informationen zu Zoll & Einfuhrabgaben
DAP oder DDP nach Tunesien?
Vor dem Versand sollte festgelegt werden, wer die Einfuhrabfertigung und die Importkosten übernimmt.
Bei DAP organisiert der Verkäufer grundsätzlich den Transport bis zum vereinbarten Bestimmungsort.
Die Einfuhrabfertigung übernimmt grundsätzlich der Empfänger.
Mögliche Kosten sind:
- Einfuhrzoll
- 19 % TVA
- gegebenenfalls Verbrauchsteuer
- gegebenenfalls FODEC oder weitere produktspezifische Abgaben
- Redevance sur Prestations Douanières
- Zollagentenkosten
- Carrier- und Terminalgebühren
- gegebenenfalls technische Kontrollkosten
Bei DDP übernimmt der Verkäufer die vereinbarten Einfuhrkosten und weitergehenden Pflichten.
Eine DDP-Lieferung nach Tunesien kann je nach Carrier und Einfuhrkonstellation grundsätzlich möglich sein.
Vorher sollten jedoch mindestens geprüft werden:
- HS-Code
- Zollwert
- Präferenzursprung
- EUR.1 beziehungsweise anderer Ursprungsnachweis
- Einfuhrzoll
- TVA
- weitere Abgaben
- technische Kontrolle
- Importgenehmigungen
- lokaler Importeur
- Zollagent
Gerade bei Industrieprodukten kann der Unterschied zwischen:
Ware mit EU-Präferenzursprung
und:
lediglich aus Deutschland versandter Drittlandsware
erheblich sein.
DDP sollte deshalb nicht allein anhand von Versandland und Warenwert kalkuliert werden.
Wie hoch ist der Einfuhrzoll in Tunesien?
Tunesien besitzt keinen einheitlichen Einfuhrzoll.
Der aktuelle Zolltarif wird anhand der nationalen:
Nomenclature de Dédouanement des Produits, NDP
bestimmt.
Diese basiert auf dem Harmonisierten System.
Der aktuelle Tarif kann abhängig vom Produkt unter anderem enthalten:
- Einfuhrzoll
- TVA
- Droit de Consommation
- FODEC
- spezifische Abgaben
- Umweltabgaben
- weitere produktspezifische Steuern
Bei einzelnen Konsumgütern können die normalen Drittlandszölle relativ hoch sein.
Deshalb sollte der Einfuhrzoll niemals pauschal mit beispielsweise:
10 oder 20 Prozent
angesetzt werden.
Der aktuelle Tarif 2026 sollte für jede Ware separat geprüft werden.
Industriewaren mit EU-Ursprung können 0 % Zoll haben
Zwischen der Europäischen Union und Tunesien besteht ein Euro-Mediterranes Assoziierungsabkommen.
Für:
Industrieprodukte mit qualifiziertem EU-Präferenzursprung
sieht das Abkommen grundsätzlich:
Befreiung vom Einfuhrzoll und von Abgaben gleicher Wirkung
vor.
Für deutsche Unternehmen ist das besonders bei:
- Maschinen
- Ersatzteilen
- Elektrotechnik
- Automotive-Komponenten
- Industrieausrüstung
relevant.
Wichtig:
Ein Produkt ist nicht automatisch EU-Ursprungsware, nur weil es aus Deutschland geliefert wird.
Beispiel: Deutschland ist nicht automatisch Warenursprung
Ein Bauteil wird in China hergestellt.
Anschließend wird es:
- nach Deutschland importiert
- in einem deutschen Lager eingelagert
- unverändert nach Tunesien verkauft
Dann lautet das Versandland zwar:
Deutschland.
Das Bauteil erhält dadurch jedoch nicht automatisch:
EU-Präferenzursprung.
Ohne ausreichende Be- oder Verarbeitung kann deshalb weiterhin der reguläre tunesische Drittlandszoll relevant sein.
Agrar- und Lebensmittelprodukte separat prüfen
Die vollständige Zollfreiheit des EU-Tunesien-Abkommens gilt nicht pauschal für sämtliche Waren.
Insbesondere:
- Agrarprodukte
- verarbeitete Agrarwaren
- Fischereierzeugnisse
- bestimmte handwerkliche Erzeugnisse
unterliegen besonderen Regelungen.
Für solche Produkte sollte immer die konkrete Tarifposition im tunesischen Zolltarif geprüft werden.
3 % Customs Service Fee beachten
Tunesien erhebt zusätzlich eine:
Redevance sur les Prestations Douanières, RPD.
Der aktuelle Satz beträgt grundsätzlich:
3 %
auf die Summe der erhobenen Zoll- und Steuerpositionen.
Es gilt außerdem ein Mindestbetrag von:
10 tunesischen Dinar je Warenposition der Zollanmeldung.
Auch bei einer Ware mit reduziertem oder entfallenem Einfuhrzoll können daher weiterhin:
- TVA
- weitere Steuern
- RPD
relevant bleiben.
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Tunesien?
Die Mehrwertsteuer heißt:
Taxe sur la Valeur Ajoutée, TVA.
Im aktuell gültigen Zolltarif wird für reguläre steuerpflichtige Waren regelmäßig der Standardsatz von:
19 %
ausgewiesen.
Für einzelne Waren und Leistungen können abweichende beziehungsweise reduzierte Steuersätze oder Steuerbefreiungen gelten.
Für typische regulär steuerpflichtige Industrie- und Konsumwaren ist jedoch:
19 % TVA
der wichtige Ausgangswert.
Wie wird die Import-TVA berechnet?
Bei der Einfuhr wird die TVA nicht einfach nur auf den deutschen Rechnungswert berechnet.
Die tunesische Steuerverwaltung berücksichtigt grundsätzlich die:
Zollbemessungsgrundlage einschließlich relevanter Kosten, Zölle und Steuern, jedoch ohne die TVA selbst.
Damit können die steuerliche Bemessungsgrundlage erhöhen:
- Zollwert
- Einfuhrzoll
- weitere importbezogene Steuern
- bestimmte Nebenkosten
Eine einfache Kalkulation:
Warenpreis × 19 %
kann deshalb für DDP zu niedrig sein.
Besonderheit bei nicht TVA-pflichtigen Importeuren
Die tunesische Zollverwaltung weist auf eine zusätzliche Besonderheit hin.
Bei bestimmten Importen durch:
- nicht TVA-pflichtige Unternehmen
- bestimmte pauschal besteuerte Importeure
kann die für die TVA relevante Bemessungsgrundlage:
um 25 % erhöht
werden.
Für DDP-Geschäfte sollte deshalb bereits vor dem Versand geklärt werden:
- wer als Importeur auftritt
- welchen steuerlichen Status der Importeur besitzt
- welche TVA-Bemessungsgrundlage Customs tatsächlich anwenden wird
Das ist einer dieser charmanten Punkte, die eine vermeintlich simple „19-%-Kalkulation“ schnell in etwas verwandeln, das einen Zollagenten verdient.
SINDA ist das zentrale tunesische Zollsystem
Die tunesische Zollverwaltung verwendet das elektronische System:
SINDA.
Das System unterstützt unter anderem:
- Importabfertigung
- Exportabfertigung
- Zolltarif
- Zollagenten
- Transporteure
- Abgabenberechnung
- elektronische Zahlungen
SINDA enthält außerdem einen integrierten Zolltarif mit:
- Außenhandelsregeln
- produktspezifischen Vorschriften
- Präferenztarifen
Tunisie TradeNet verbindet die Beteiligten digital
SINDA ist mit:
Tunisie TradeNet, kurz TTN
verbunden.
Über TradeNet werden verschiedene Dokumente elektronisch übermittelt.
Dazu gehören insbesondere:
- Titre de Commerce Extérieur, TCE
- Déclaration en Détail des Marchandises, DDM
- Document de Contrôle Technique, DCT
- Zollmanifest
TradeNet verbindet dabei unter anderem:
- Zoll
- Banken
- Transporteure
- Zollagenten
- Unternehmen
- weitere Behörden
Für deutsche Unternehmen bedeutet das:
Handelsrechnung, Packliste, Ursprungsinformationen und elektronische Daten sollten möglichst widerspruchsfrei sein.
Mehr dazu finden Sie unter Versanddokumente automatisieren und Fehler reduzieren.
Paket nach Tunesien versenden: Was Unternehmen vor dem Versand wissen sollten
Tunesien liegt an der nordafrikanischen Mittelmeerküste und grenzt an:
- Algerien
- Libyen
- Mittelmeer
Durch seine geografische Nähe zu Europa ist das Land stark in europäische Lieferketten eingebunden.
Besonders wichtig sind die Wirtschaftsregionen:
- Tunis
- Ben Arous
- Ariana
- Sousse
- Monastir
- Sfax
- Bizerte
Für Unternehmen aus Deutschland bedeutet das vergleichsweise kurze maritime Wege und regelmäßige RoRo- und Containerverbindungen über das Mittelmeer.
Welche Dokumente brauche ich für Tunesien?
Für eine gewerbliche Einfuhr werden abhängig von Ware und Transportweg typischerweise benötigt:
- Commercial Invoice beziehungsweise Handelsrechnung
- Packing List
- Air Waybill oder Bill of Lading
- CMR bei Straßentransport
- präzise Warenbeschreibung
- HS- beziehungsweise NDP-Code
- Warenwert
- Warenursprung
- gegebenenfalls EUR.1 oder EUR-MED
- gegebenenfalls Ursprungserklärung
- gegebenenfalls Importgenehmigung
- gegebenenfalls technische Kontrollunterlagen
Bei einem normalen Warenverkauf sollte eine Handelsrechnung verwendet werden.
Bei:
- kostenlosen Mustern
- Ersatzlieferungen
- Garantieaustausch
- nichtkommerziellen Lieferungen
sollte vorab mit Importeur und Zollagent geklärt werden, ob und in welcher Form eine Proformarechnung akzeptiert wird.
Brauche ich eine EUR.1 für Tunesien?
Für Industrieprodukte mit EU-Präferenzursprung kann eine:
EUR.1
als Präferenznachweis eingesetzt werden.
Tunesien gehört zur:
Pan-Euro-Med-Präferenzzone.
Abhängig von Ursprungsregel und Kumulation kommen außerdem in Betracht:
- EUR-MED
- Ursprungserklärung auf der Rechnung
- EUR-MED-Ursprungserklärung
Für Sendungen mit Ursprungserzeugnissen bis:
6.000 Euro
kann eine Ursprungserklärung grundsätzlich durch jeden Ausführer erstellt werden.
Bei höheren Werten kann ein:
ermächtigter Ausführer
die Erklärung im Rahmen seiner Bewilligung verwenden.
Alternativ kann je nach Fall eine EUR.1 beziehungsweise EUR-MED ausgestellt werden.
EUR.1 nur bei echtem Präferenzursprung
Eine EUR.1 ist kein Dokument, mit dem man einer Ware nachträglich europäischen Ursprung verleiht.
Der Ausführer muss nachweisen können, dass die Ware die entsprechende Ursprungsregel erfüllt.
Je nach Produkt können dafür beispielsweise relevant sein:
- eigene Herstellung
- ausreichende Be- oder Verarbeitung
- Lieferantenerklärungen
- Ursprungsnachweise eingesetzter Materialien
- Kumulationsregeln
Wer lediglich Drittlandsware unverändert aus Deutschland weiterschickt, sollte die EU-Präferenz nicht automatisch beanspruchen.
Wie lange dauert ein Paket nach Tunesien?
DHL nennt aktuell für Standard-Paketversand eine Laufzeitorientierung von:
6 bis 12 Werktagen.
Die Lagerfrist beträgt:
15 Tage.
Die tatsächliche Laufzeit kann zusätzlich beeinflusst werden durch:
- Zollabfertigung
- technische Kontrollen
- fehlende Ursprungsnachweise
- Importgenehmigungen
- Zielort
- lokale Weiterbeförderung
Für:
- dringende Ersatzteile
- Produktionsmaterial
- Automotive-Komponenten
- zeitkritische technische Waren
kann Express sinnvoller sein.
Welche Sprache sollte ich für die Zollinhaltserklärung verwenden?
DHL nennt aktuell:
- Englisch
- Französisch
- Arabisch bei bestimmten Filialsendungen
als zulässige Sprachen.
Für deutsche B2B-Sendungen eignet sich besonders:
Französisch oder Englisch.
Die Warenbeschreibung sollte präzise sein.
Nicht:
„Spare parts“
sondern beispielsweise:
„Stainless steel replacement coupling for industrial packaging machine“.
Damit werden:
- Produktart
- Material
- Verwendungszweck
klar erkennbar.
Adresse nach Tunesien richtig schreiben
DHL verlangt für internationale Sendungen:
- lateinische Buchstaben
- arabische Ziffern
Eine beispielhafte Geschäftsadresse kann lauten:
ABC Industrie Tunisie SARL
25 Rue de l’Industrie
2033 MÉGRINE
TUNISIE
Zusätzlich sollten nach Möglichkeit angegeben werden:
- Telefonnummer
- E-Mail-Adresse
Diese Kontaktdaten erleichtern insbesondere:
- Zollrückfragen
- Dokumentenanforderungen
- Zustellkoordination
Radès ist Tunesiens wichtigster Container- und RoRo-Hafen
Für größere Warenströme ist:
Port de Radès
von zentraler Bedeutung.
Der Hafen liegt südöstlich von Tunis und ist auf:
- Container
- RoRo-Verkehre
- Trailer
- bestimmte Massengüter
spezialisiert.
Nach Angaben der tunesischen Hafenbehörde wickelt Radès den größten Teil des nationalen Container- und RoRo-Verkehrs ab.
Der Hafen besitzt direkte:
- Straßenanbindung
- Bahnanschlüsse
- Verbindung zu Industriegebieten im Großraum Tunis
und ist deshalb besonders relevant für:
- Maschinen
- Paletten
- Automotive-Komponenten
- industrielle Ersatzteile
- Trailer-Verkehre aus Europa
Regelmäßige Mittelmeerverbindungen verkürzen die Frachtkette
Radès besitzt regelmäßige Schiffsverbindungen unter anderem mit europäischen Mittelmeerhäfen.
Dazu gehören beziehungsweise gehörten in den veröffentlichten Linienplänen unter anderem Verbindungen über:
- Marseille
- Genua
- Livorno
- Barcelona
- Valencia
- Malta
Für Deutschland-Sendungen kann die Transportkette beispielsweise lauten:
Deutschland → europäischer Mittelmeerhafen → Radès → Empfänger in Tunesien.
Bei Trailer- und RoRo-Verkehren können außerdem durchgehende Straßen-/Fährkonzepte interessant sein.
Tunis-Carthage ist zentral für Luftfracht und internationale Post
Für kleinere und zeitkritische Waren ist der Großraum Tunis auch auf dem Luftweg besonders wichtig.
Der:
Tunis-Carthage International Airport
ist das wichtigste internationale Luftverkehrstor des Landes.
Außerdem werden internationale Postsendungen nach Angaben der tunesischen Zollverwaltung zentral über das:
Sortierzentrum Tunis-Carthage
geführt.
Für:
- Ersatzteile
- Elektronik
- Messgeräte
- Produktionsmaterial
- Medizintechnik
kann Luft- beziehungsweise Expressfracht daher eine sinnvolle Alternative zur Seefracht sein.
Sfax und Sousse sind für regionale Empfänger ebenfalls relevant
Nicht jeder Empfänger sitzt im Großraum Tunis.
Wichtige Industriezentren liegen unter anderem in:
- Sfax
- Sousse
- Monastir
- Gabès
- Bizerte
Bei Fracht sollte deshalb die letzte Inlandstrecke mitberechnet werden.
Eine Lieferung nach Sfax besitzt andere:
- Transportkosten
- Laufzeiten
- lokale Zustellbedingungen
als eine Lieferung direkt nach Ben Arous oder Tunis.
Technische Importkontrolle kann erforderlich sein
Einige Waren unterliegen in Tunesien einer:
technischen Kontrolle bei der Einfuhr.
Die entsprechenden Produktgruppen werden durch das Handelsministerium festgelegt.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte:
- Lebensmittel
- Kosmetik- und Hygieneprodukte
- Pestizide und Desinfektionsmittel
- Schuhe
- Haushaltswaren
- Batterien
- Lampen
- Elektrohaushaltsgeräte
- Spielwaren
Abhängig vom Produkt kann eine:
Document de Contrôle Technique, DCT
erforderlich sein.
Diese Dokumente werden ebenfalls elektronisch über TradeNet verarbeitet.
CE-Kennzeichnung ersetzt nicht automatisch tunesische Importkontrollen
Ein Produkt kann europäische Anforderungen erfüllen und trotzdem in Tunesien zusätzlichen nationalen Prüfungen unterliegen.
Das gilt insbesondere bei:
- regulierten Verbraucherprodukten
- elektrischen Geräten
- Lebensmitteln
- Chemikalien
- gesundheitsrelevanten Produkten
Vor dem Versand sollte deshalb geprüft werden:
- ob technische Kontrolle vorgeschrieben ist
- welche Behörde zuständig ist
- welche Unterlagen benötigt werden
- ob Muster oder Prüfberichte erforderlich sind
EU-Tunesien-Handel ist deutlich enger als bei vielen anderen Drittstaaten
Die Europäische Union ist mit Abstand Tunesiens wichtigster Handelspartner.
Im Jahr 2025 gingen mehr als:
70 % der tunesischen Warenexporte
in die EU.
Knapp die Hälfte der tunesischen Importe stammte gleichzeitig aus der Europäischen Union.
Für deutsche Unternehmen ist das relevant, weil Tunesien dadurch über vergleichsweise etablierte Prozesse für europäische:
- Lieferanten
- Speditionen
- Industrieunternehmen
- Zoll- und Ursprungsdokumente
verfügt.
Tunesien eignet sich für Nearshoring-Lieferketten
Die Kombination aus:
- geografischer Nähe zur EU
- regelmäßigen Mittelmeerverbindungen
- industrieller Basis
- EU-Präferenzabkommen
macht Tunesien auch für Nearshoring-Strukturen interessant.
Ein deutsches Unternehmen kann beispielsweise:
- Komponenten nach Tunesien liefern
- dort produzieren beziehungsweise montieren lassen
- fertige Waren anschließend wieder nach Europa einführen
Bei solchen Modellen müssen allerdings:
- aktive oder passive Veredelung
- Ursprungsregeln
- Zollverfahren
- Eigentumsverhältnisse
sauber geplant werden.
Wiederkehrende Ursprungsdaten automatisieren
Für regelmäßigen Handel mit Tunesien reicht es nicht, nur den HS-Code im Artikelstamm zu speichern.
Besonders sinnvoll sind zusätzlich:
- nichtpräferenzielles Ursprungsland
- Präferenzursprung
- Lieferantenerklärung
- Gültigkeit von Ursprungsnachweisen
- Warenwert
- Gewicht und Maße
Bei regelmäßigen Exporten können diese Informationen über ERP- und Versandprozesse weitergegeben werden.
Mehr dazu finden Sie unter Versanddokumente automatisieren und Zolldaten konsistent halten.
Diese Fehler verzögern Sendungen nach Tunesien
Typische Probleme entstehen besonders durch falsche Ursprungsannahmen oder fehlende technische Unterlagen.
Häufige Fehler sind:
- Warenbeschreibung ist zu allgemein
- HS- beziehungsweise NDP-Code fehlt oder ist falsch
- Warenwert ist nicht nachvollziehbar
- Versandland wird mit Warenursprung verwechselt
- EU-Präferenz wird ohne Ursprungsnachweis beansprucht
- EUR.1 wird ausgestellt, obwohl die Ursprungsregel nicht erfüllt ist
- EUR-MED wird trotz relevanter Kumulation nicht geprüft
- 19 % TVA werden nur auf den Rechnungswert gerechnet
- steuerlicher Status des Importeurs wird bei der TVA-Basis nicht berücksichtigt
- 3 % Customs Service Fee wird vergessen
- technische Kontrolle wurde nicht geprüft
- DCT beziehungsweise Importgenehmigung fehlt
- Handelsrechnung und elektronische TradeNet-Daten stimmen nicht überein
- Empfänger beziehungsweise Zollagent wird zu spät eingebunden
- letzte Inlandstrecke nach Sfax, Sousse oder Gabès wird nicht kalkuliert
Gerade bei regelmäßigem B2B-Versand sollten HS-Code, Ursprung und Dokumentanforderungen möglichst im Artikelstamm gepflegt werden.
Welche Waren werden nach Tunesien importiert?
Tunesien besitzt im Vergleich zu vielen anderen nordafrikanischen Märkten eine stark exportorientierte Industrie und enge Lieferketten mit europäischen Unternehmen.
Wichtige Wirtschaftsbereiche sind insbesondere:
- Automobilzulieferindustrie
- Elektrotechnik und Kabelproduktion
- Maschinenbau
- Textil- und Bekleidungsindustrie
- Chemie und Pharma
- Lebensmittelverarbeitung
- Luftfahrtzulieferindustrie
- IT und Elektronik
- Energie
- Bauwirtschaft
Für deutsche Unternehmen können deshalb unter anderem folgende Produktgruppen interessant sein:
- Maschinen und Produktionsanlagen
- Maschinenersatzteile
- Automatisierungs- und Steuerungstechnik
- Elektrotechnik
- Kabel- und Verbindungstechnik
- Mess- und Prüftechnik
- Pumpen und Antriebstechnik
- Hydraulik- und Pneumatikkomponenten
- Werkzeuge und Werkstattausrüstung
- Automotive-Komponenten
- Textilmaschinen
- Verpackungsmaschinen
- Lebensmitteltechnik
- Labor- und Medizintechnik
- Solar- und Energietechnik
Der Handel mit Europa ist für Tunesien besonders wichtig.
Maschinen und Geräte gehören zu den bedeutendsten europäischen Exportgruppen nach Tunesien.
Daneben spielen:
- Chemieprodukte
- Textilien
- technische Vorprodukte
eine wichtige Rolle.
Für deutsche B2B-Versender ist Tunesien deshalb nicht nur ein klassischer Absatzmarkt.
Das Land ist gleichzeitig Teil europäischer:
- Produktionsketten
- Zuliefernetzwerke
- Montageprozesse
- Nearshoring-Strukturen
Gerade bei regelmäßig wiederkehrenden Ersatzteil- oder Produktionslieferungen lohnt sich eine zentrale Pflege von:
- HS-Code
- Warenursprung
- Präferenzursprung
- Warenwert
Mehr zur strukturierten Integration in Unternehmenssysteme finden Sie unter SAP-Versandschnittstelle für internationale Versandprozesse.
Versandinformationen: Tunesien
Standard, Express oder Fracht nach Tunesien?
Welche Versandart sinnvoll ist, hängt insbesondere ab von:
- Gewicht
- Abmessungen
- Warenwert
- Dringlichkeit
- Zielort
Für kleinere und weniger zeitkritische Warensendungen kann Standard-Paketversand genutzt werden.
DHL nennt aktuell:
6 bis 12 Werktage.
Für:
- dringende Ersatzteile
- Produktionsmaterial
- Automotive-Komponenten
- Medizintechnik
kann Express sinnvoller sein.
Für:
- Maschinen
- Paletten
- mehrere Packstücke
- schwere Waren
- Trailer
kommen See-, RoRo-, Luft- oder kombinierte Straßen-/Fährlösungen infrage.
Mehr dazu finden Sie unter internationaler Frachtversand für Unternehmen.
Radès verbindet Tunesien mit europäischen Mittelmeerhäfen
Für Waren aus Deutschland kommen insbesondere infrage:
- Paket- und Expressnetzwerke
- Luftfracht
- Containerverkehr
- RoRo- beziehungsweise Trailerverkehr
Der wichtigste Container- und RoRo-Hafen ist:
Radès.
Er ist über Straße und Schiene mit dem Großraum Tunis und wichtigen Industriegebieten verbunden.
Für B2B-Fracht kann eine typische Route beispielsweise lauten:
Deutschland → Marseille/Genua/Livorno → Radès → Empfänger.
Für Luftfracht spielt:
Tunis-Carthage
die wichtigste Rolle.
Weitere tunesische Handelshäfen befinden sich unter anderem in:
- Sfax
- Sousse
- Bizerte
- Gabès
- Zarzis
Welche Route wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt vom Zielort und vom verfügbaren Carrier ab.
Welche Importkosten können in Tunesien entstehen?
Abhängig von Ware und Einfuhrkonstellation können entstehen:
- Einfuhrzoll gemäß NDP-Code
- bei qualifizierter EU-Industrieware gegebenenfalls 0 % Zoll
- regulär 19 % TVA
- gegebenenfalls Droit de Consommation
- gegebenenfalls FODEC
- gegebenenfalls weitere produktspezifische Abgaben
- 3 % Redevance sur Prestations Douanières
- Zollagentenkosten
- Carrier- und Terminalkosten
Besonders wichtig ist deshalb die Reihenfolge der Prüfung:
- HS-Code bestimmen
- Warenursprung bestimmen
- EU-Präferenz prüfen
- Präferenznachweis erstellen
- restliche Steuern und Gebühren berechnen
Eine Ware mit 0 Prozent Einfuhrzoll kann trotzdem mit TVA und weiteren Gebühren belastet sein.
Was kostet ein Paket nach Tunesien?
Der Versandpreis hängt insbesondere ab von:
- Gewicht
- Abmessungen
- Volumengewicht
- Carrier
- Versandservice
- Zielort
- Zusatzleistungen
DHL Paket International ermöglicht aktuell Pakete bis:
30 kg.
Für reguläre Pakete gelten maximal:
120 × 60 × 60 cm
bei einem maximalen Gurtmaß von:
300 cm.
Die reguläre Transportversicherung beträgt:
bis 500 Euro.
Eine Höherversicherung wird für Tunesien aktuell:
nicht angeboten.
Sperrgut ist dagegen möglich.
Für quaderförmiges Sperrgut gelten aktuell:
- maximal 200 cm Länge
- maximal 300 cm Gurtmaß
- maximal 30 kg
Bei großen und leichten Sendungen kann das Volumengewicht den Preis bestimmen.
Mehr dazu finden Sie unter Volumengewicht verstehen und berechnen.
E-Commerce nach Tunesien: Präferenz und Einfuhrkosten im Checkout berücksichtigen
Für deutsche Onlinehändler ist Tunesien ein Drittlandziel.
Die EU-IOSS-Regelung gilt dort nicht.
Für Kunden können zusätzlich zum Warenpreis entstehen:
- Einfuhrzoll
- 19 % TVA
- weitere produktspezifische Abgaben
- Zollabfertigungsgebühren
Bei Waren mit EU-Präferenzursprung kann der Einfuhrzoll jedoch deutlich geringer sein oder bei qualifizierten Industrieprodukten entfallen.
Das bedeutet:
Für einen Shop ist der tatsächliche Warenursprung ein relevanter Bestandteil der Landed-Cost-Logik.
Zwei äußerlich identische Produkte können unterschiedlich behandelt werden:
- Produkt A wurde in Deutschland hergestellt und erfüllt die Ursprungsregel
- Produkt B wurde in China hergestellt und lediglich aus Deutschland versendet
Bei DAP trägt der Empfänger die Einfuhrabgaben grundsätzlich selbst.
Bei DDP müssen diese Kosten entsprechend vorab kalkuliert werden.
Mehr dazu finden Sie unter Versandkosten, Zoll und Einfuhrabgaben im Checkout anzeigen.
EU-Tunesien-Abkommen kann Industriewaren zollfrei machen
Die wichtigste Besonderheit gegenüber vielen anderen Drittlandzielen ist die:
gegenseitige Zollpräferenz für Industrieprodukte.
Das Abkommen zwischen der Europäischen Union und Tunesien ist seit:
1998
in Kraft.
Der Freihandel mit Industrieprodukten ist inzwischen grundsätzlich vollständig umgesetzt.
Für deutsche Industrieunternehmen kann das einen deutlichen Kostenvorteil bedeuten.
EUR.1 und EUR-MED sind weiterhin relevant
Tunesien gehört zum Pan-Euro-Med-Ursprungssystem.
Als Präferenznachweise kommen aktuell unter anderem infrage:
- EUR.1
- EUR-MED
- Ursprungserklärung
- EUR-MED-Ursprungserklärung
Welche Variante richtig ist, hängt unter anderem von der Ursprungsregel und einer möglichen Kumulation ab.
Technische Kontrolle kann trotz Zollfreiheit notwendig sein
Zollfreiheit bedeutet nicht:
freie Einfuhr ohne weitere Anforderungen.
Ein Produkt kann 0 Prozent Präferenzzoll haben und trotzdem:
- technischer Kontrolle
- Importgenehmigungen
- Produktsicherheitsanforderungen
- anderen nationalen Vorschriften
unterliegen.
Zoll, Produktrecht und Einfuhrgenehmigung sollten deshalb getrennt geprüft werden.
Radès macht Tunesien für europäische Fracht besonders interessant
Die Nähe zum europäischen Mittelmeerraum ermöglicht vergleichsweise kurze Frachtketten.
Radès wickelt den größten Teil des tunesischen Container- und RoRo-Verkehrs ab.
Für deutsche Industrieunternehmen mit regelmäßigem Warenverkehr können dadurch insbesondere:
- Trailerverkehre
- RoRo
- Container
- Stückgut
attraktiv sein.
Welcher Carrier eignet sich für Tunesien?
Beim Carriervergleich sollten insbesondere berücksichtigt werden:
- Transportpreis
- Laufzeit
- Zollservice
- Tracking
- Versicherung
- Gewichtsgrenzen
- Sperrgutoptionen
- Zielort
DHL nennt aktuell für Standard-Paketversand:
6 bis 12 Werktage.
Die Lagerfrist beträgt:
15 Tage.
Zulässige Sprachen der Zollinhaltserklärung sind:
- Englisch
- Französisch
- Arabisch bei bestimmten Filialsendungen
DHL Paket International bietet aktuell:
- Pakete bis 30 kg
- Sendungsverfolgung
- Transportversicherung bis 500 Euro
- Sperrgut bis 30 kg innerhalb der länderspezifischen Grenzen
Eine Höherversicherung wird nach Tunesien derzeit nicht angeboten.
Für zeitkritische Produktions- und Ersatzteilsendungen sollte zusätzlich Express verglichen werden.
Für Maschinen, Paletten und größere Warenströme können Container-, Trailer- oder RoRo-Verkehre über Radès sinnvoller sein.
Häufige Fragen zum Versand
Kann ich ein Paket von Deutschland nach Tunesien versenden?
Ja. Pakete, Expresssendungen und Geschäftswaren können von Deutschland nach Tunesien versendet werden. Da Tunesien außerhalb der Europäischen Union liegt, sind bei Warensendungen vollständige Zollinformationen erforderlich.
Wie lange dauert ein Paket nach Tunesien?
DHL nennt aktuell für Standard-Paketversand eine Laufzeitorientierung von 6 bis 12 Werktagen. Die tatsächliche Laufzeit kann durch Zollabfertigung, technische Kontrollen und den Zielort beeinflusst werden.
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Tunesien?
Der reguläre tunesische TVA-Satz beträgt aktuell 19 Prozent. Je nach Ware können abweichende Steuersätze oder Steuerbefreiungen gelten.
Wie hoch ist der Einfuhrzoll in Tunesien?
Der Einfuhrzoll hängt vom konkreten HS- beziehungsweise NDP-Code ab. Für qualifizierte Industrieprodukte mit EU-Präferenzursprung kann aufgrund des EU-Tunesien-Abkommens grundsätzlich ein Zollsatz von 0 Prozent gelten.
Sind deutsche Waren in Tunesien zollfrei?
Nicht automatisch. Qualifizierte Industrieprodukte mit nachgewiesenem EU-Präferenzursprung können zollfrei eingeführt werden. Eine Ware erhält diesen Ursprung jedoch nicht allein dadurch, dass sie aus Deutschland versendet wird.
Brauche ich eine EUR.1 für Tunesien?
Eine EUR.1 kann als Präferenznachweis für Waren mit EU-Präferenzursprung verwendet werden. Abhängig vom konkreten Ursprungsfall kommen außerdem EUR-MED und Ursprungserklärungen infrage.
Wann kann ich eine Ursprungserklärung verwenden?
Bei Sendungen mit Ursprungserzeugnissen bis zu einem Gesamtwert von 6.000 Euro kann grundsätzlich jeder Ausführer eine Ursprungserklärung nach den geltenden Pan-Euro-Med-Regeln ausstellen. Bei höheren Werten gelten die entsprechenden vereinfachten Verfahren beziehungsweise es kann eine EUR.1 oder EUR-MED genutzt werden.
Was ist SINDA?
SINDA ist das elektronische Zollsystem der tunesischen Zollverwaltung. Es verarbeitet unter anderem Zollanmeldungen, Zolltarife, Abgaben, Unternehmen und elektronische Außenhandelsinformationen.
Was ist Tunisie TradeNet?
Tunisie TradeNet ist die elektronische Plattform für Außenhandelsdokumente. Darüber werden unter anderem Zollanmeldungen, Handelsdokumente, technische Kontrolldokumente und Manifeste zwischen Unternehmen, Zoll, Banken und weiteren Beteiligten ausgetauscht.
Welche Waren können einer technischen Importkontrolle unterliegen?
Je nach aktueller Produktliste können unter anderem Lebensmittel, Kosmetik, bestimmte Chemikalien, Haushaltsgeräte, Batterien, Lampen und Spielwaren technischen Einfuhrkontrollen unterliegen. Die konkrete Anforderung sollte über den aktuellen Zolltarif und die zuständige Behörde geprüft werden.
Welcher Hafen ist für Fracht nach Tunesien besonders wichtig?
Radès im Großraum Tunis ist der wichtigste tunesische Hafen für Container- und RoRo-Verkehre. Er besitzt regelmäßige Verbindungen zu europäischen Mittelmeerhäfen und direkte Straßen- und Bahnanbindungen in wichtige Industriegebiete.
Kann ich nach Tunesien DDP versenden?
Eine DDP-Lieferung kann je nach Carrier und Importkonstellation möglich sein. Vorab sollten Importeur, Zollagent, HS-Code, Präferenzursprung, EUR.1 beziehungsweise anderer Ursprungsnachweis, TVA, weitere Importabgaben und mögliche technische Kontrollen geprüft werden.




